Vormärz
Als Vormärz wird die Epoche der - insbesondere deutschen - Geschichte bezeichnet, die nach dem Sieg der europäischen Koalitionsmächte gegen Napoleon mit dem Wiener Kongress von 1815 begann und erst mit den politischen Veränderungen im Zuge der Märzrevolution 1848 ihr Ende fand.
Prägendes Element der politischen Entwicklungen dieser Zeit war die, spätestens mit den sogenannten "Karlsbader Beschlüssen" von 1819 einsetzende, Wiederkehr absolutistischer Herrschaftstendenzen der Aristokratie, weshalb in den Politikwissenschaften die Bezeichnung Restauration für diese Phase der Geschichte gebräuchlich ist. Der Krieg und der Sieg über Frankreich hatten in der deutschen Gesellschaft, in erster Linie dem Bürgertum, neben einem hierzulande vorher in dem Maße unbekannten Nationalbewusstsein auch den Wunsch nach politischen Reformen, größerer Mitsprache und verbriefter Freiheitsrechte in einer Verfassung entstehen lassen. Die zumindest teilweise Erfüllung dieser Forderungen erschien der Mehrheit der Bürger nach 1815 zunächst sicher. Entgegen dieser Hoffnungen gelang es den monarchischen Herrschaftshäusern, unter maßgeblicher Führung des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich, jedoch spätestens seit dem Ende des 2.Jahrzehnts des 19.Jahrhunderts - mitunter durch stark repressive Maßnahmen wie der (Wieder-)Einführung der Pressezensur u.ä. - diese Entwicklung nachhaltig zu unterbinden.
Aufgrund der erfolgreichen Restauration der absoluten Monarchien in Deutschland kam es deshalb im Anschluss zu einer ambivalenten Entwicklung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Während der technische Fortschritt auch hierzulande zum Beginn einer fortschreitenden Industrialisierung und damit zum zahlenmäßigen Anwachsen der bürgerlichen (und in Folge auch proletarischer) Schichten führte, hatte die politische Unterdrückung besonders bis in die 1830er Jahre durchaus Erfolg und Auswirkungen bis die Kultur. Der "Rückzug ins Private" maßgeblicher gesellschaftlicher Gruppen ließ auf die kulturelle Epoche der deutschen Romantik das Biedermeier folgen.
Jedoch wurden spätestens mit der bürgerlichen Juli-Revolution 1830 in Frankreich die Rufe nach einer Liberalisierung auch in den deutschen Ländern wieder lauter. Nicht nur politische Ereignisse wie das Hambacher Fest von 1832 warfen der späteren Revolution in Deutschland lange Schatten voraus, auch in der Kunst, insbesondere der Literatur, bestimmten bald wieder bürgerlichere, allerdings im Ton zunehmend auch immer nationalistischere, Richtungen den Ton. Während es bis zum Veröffentlichungsverbot von 1835 in erster Linie das sogenannte "Junge Deutschland" rund um Autoren wie Karl Gutzkow oder Theodor Mundt war, dass den Zeitgeist des jungen Bürgertums formulierte, so wurde im Anschluss Heinrich Heine, wenn auch die längste Zeit aus dem französischen Exil heraus, zum bekanntesten Literaten des späten Vormärz.
Hinweis: Die Inhalte dieser Website werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Die A + E GmbH übernimmt jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Nutzung der Inhalte der Website erfolgt auf eigene Gefahr. Eine Haftung der A + E GmbH für die falsche Verwendung der Inhalte ist ausgeschlossen. Gültig sind ausschließlich die Bedingungen, Beiträge und Tarifbeschreibungen der Versicherungsgesellschaften.